Da ist er – der dritte Teil des großen Interviews mit Austrias Finanz-Vorstand Mag. Markus Kraetschmer. Nach Teil 1 und Teil 2 handelt diesmal alles um “Fanthemen”, zu welchen der 40-Jährige Stellung nimmt.
Wie wird die angekündigte “Kundenoffensive” aussehen? Wird es wieder ermäßigte Karten auf der Osttribüne geben? Ist eine Abo-Weitergabe in der kommenden Spielzeit wieder möglich? Welche Infrastruktur-Erneuerungen könnten zudem bald folgen? Kraetschmer, dessen Vertrag übrigens bis 2016 befristet ist, klärt auf!
1911aktuell.at: Du hast zuletzt immer wieder eine „Kundenoffensive“ (Bezeichnung der offiziellen Website, Anm.) für demnächst angekündigt. Was kann man sich darunter vorstellen?
Markus Kraetschmer: Ich weiß, dass ich dafür oft kritisert werde, aber ich sehe unsere Fans auch als Kunden. Jeder, der sich bei uns eine Karte oder etwas im Merchandising kauft, gibt sein hart verdientes Geld für die Austria aus und ist damit wirtschaftlich gesehen ein Kunde, der für uns als Klub natürlich sehr wichtig ist. Wir haben unsere Partner in verschiedene Segmente unterteilt. Es gibt unsere Top-Sponsoren, unsere Logen- und Business-Partner, unsere Familiensektoren und unsere so genannten „Hardcore-Fans“ auf der Osttribüne, aber auch da kannst du nicht „die Ost“ sagen, denn auch da kann man unterteilen: Die Jungen, die Älteren, Anhänger, die in einem Fanklub sind, welche, die erlebnisorientiert sind, andere, die hauptsächlich „malen“ wollen, andere fotographieren lieber, etc. Die Zusammenarbeit und Kommunikation mit allen Gruppen wollen wir optimieren und verbessern, um all diese Bereiche noch besser zu servicieren und forcieren. Das fängt an z.B. bei Bankomatkassen an, geht über ermäßigte Abos bis hin zur möglichen Weitergabe eines Abos. Diesen Themenbereichen werden wir uns zuwenden und wissen zugleich, dass wir mit einem „Hardcore-Fan“ auf der Osttribüne auch anders kommunizieren müssen als beispielsweise mit einem Logen-Partner, der Schwerpunkt der Serviceoffensive liegt aber auf der Osttribüne, dort haben wir den meisten Aufholbedarf. In diese Richtung wurde und wird gearbeitet und gibt es auch einen sehr klaren Plan. Wichtig ist auch, dass das Endergebnis am Ende des Tages richtig kommuniziert wird und die Leute schlussendlich wissen, an wen sie sich bei einem „Problem“ oder Wunsch zu wenden haben.
Wie alle Bundesliga-Vereine haben wir im Herbst einen Zuschauer-Rückgang verzeichnet, eine Tribüne aber ganz besonders, nämlich die Osttribüne. Wieso?
Richtig, wir haben das auch sehr genau analysiert. Wir haben das Phänomen auf den Längstribünen Süd und Nord mehr Zuseher als in der Vorsaison zu haben, aber auf der Osttribüne einen Zuseherrückgang verzeichnen zu müssen. Wir hatten in der Herbstsaison auf der Westtribüne neben dem Auswärtssektor auch oft eigene Fans sitzen, das hat bereits recht guten Zuspruch gefunden, natürlich unterstützt durch diverse Aktionen wie Schulaktionen oder dem Mitgliederspiel gegen Mattersburg, aber nur so kann man hier etwas aufzubauen. Ich glaube, der Rückgang auf der Osttribüne hat weniger mit sportlichen Themen zu tun, sondern – und dem stellen wir uns auch ganz offen – mit anderen Ursachen, weshalb wir jetzt in der Winterpause auch ganz klar gesagt haben, dass es hier den Hebel anzusetzen gilt.
Wir sind dabei hier eine Neustrukturierung vorzunehmen, um noch mehr auf unsere Fans, und zwar nicht nur auf die Fanklubs, sondern auch auf“ fanklublose“ Anhänger, zuzugehen. Zudem suchen wir nach neuen Aufgabenbereichen für unsere Mitarbeiter, das werden wir in Kürze abschließen. Dann planen wir auch den einen oder anderen „Fanworkshop“ für Interessierte, die sich konstrunktiv beteiligen wollen, um dann wirklich mit der Saison 2012/13 voll durchzustarten. Bis dahin werden wir uns noch mit vielen Fragen beschäftigen – zum Beispiel mit dem Abo, wo sich die Frage stellt, ob es wieder Kinder- oder ermäßigte Jahreskarten geben soll, aber in Kombination mit der ID-Card und vielem, vielem mehr. Die Osttribüne ist ein ganz, ganz großer Bereich, dem wir uns jetzt widmen wollen und ich glaube, wenn wir unsere Ideen und die Vorstellungen und Wünsche unserer Fans unter einen Hut bringen, gehört dieser Zuseher-Rückgang im Osten bald wieder der Vergangenheit an, davon bin ich überzeugt!
Nicht selten hört man von Familienvätern, die aufgrund der nicht vorhandenen Ermäßigungen mit ihren Kindern von der Osttribüne auf die Süd- oder Nordtribüne abgewandert sind. Ist das nicht auch für die Austria unzufriedenstellend?
Ich bin bei solchen Einschätzungen ein wenig vorsichtig, denn ich habe mit vielen beim Mitgliederfest, Löwenfest oder beim Tag der offenen Tür gesprochen, aber ich glaube, dass man sich nicht um die Vergangenheit kümmern soll, sondern die Zukunft zählt. Es ist wie gesagt ein Themenfeld, welchem wir uns in den kommenden Monaten sehr, sehr intensiv widmen wollen. Auch intern sind bereits Umstrukturierungen erfolgt, wir haben auch personelle Wechsel durchgeführt und werden die Aufgaben intern neu verteilen. Wir wollen ganz bewusst einen anderen Weg als einst mit Martin Schwarzlandtner gehen, das haben wir den Verantwortlichen der Stadt Wien auch sehr deutlich gesagt. Wir wollen Fans, auch die Fanklubs – wobei, es hier erst einmal zu definieren gilt, was ein Fanklub ist – sprich, ob drei Anhänger, die sich zusammenschließen schon ein Fanklub sind -, gezielt betreuen und auf sie zugehen. Wir haben schon viele wirklich gute Ideen gesammelt und werden im Frühjahr weiter Daten sammeln und viele Gespräche führen, um auf dieser Ebene ab Sommer durchstarten zu können.
Das heißt, es ist möglich, dass es bald wieder Ermäßigungen auf der Osttribüne geben könnte?
Es ist gut möglich, dass es wieder Ost-Ermäßigungen geben wird, ja, das ist wieder ein Thema! Es steht auf unserer to-do-list, die wir abarbeiten werden und im Rahmen dessen auch entscheiden, ob es wieder Ost-Ermäßigungen geben wird, so ist es.
In der Infrastruktur ging in den letzten Jahren sehr vieles voran. Wie sehen die Zukunftspläne aus? Die nächsten Schritte scheinen eine Tribüne bei der Akademie sowie der Verbau der Ecken in der Generali-Arena zu sein, korrekt?
Ja, das ist richtig, schlussendlich muss man aber schauen, wann auch dann die Gelder dafür fließen. Im Frühjahr wird bei der Akademie eine Tribüne errichtet, das soll bis Sommer abgeschlossen sein, dafür sind die finanziellen Mittel bereits vorhanden. Weiters gibt es eben auch Überlegungen die Ecken Süd/West und Süd/Ost mittelfristig zu schließen. Ich glaube nicht, dass diesbezüglich noch 2012 etwas passiert, 2013 ist es aber dann sehr gut möglich. Da geht es natürlich aber auch noch um Details wie Plätze für gehandicapte Personen oder die oft diskutierte zweite Vidiwall. Beim Verbau der Ecken geht es gar nicht so sehr darum, dass wir noch 500 weitere Sitzplätze haben, sondern darum, die Qualität zu erhöhen. Man muss immer diverse Aspekte berücksichtigen, zum Beispiel, dass die Ecke Süd/West für die Luftdurchlässigkeit sehr wichtig ist und dafür sorgt, dass der Rasen in Ordnung ist.
Es gibt zahlreiche Ideen, Faktum ist: Wir werden es angehen und haben schon erste Projektgespräche mit verschiedenen Architekten geführt. Realistisch ist, dass 2012 die Akademie-Tribüne errichtet wird und es im Stadion dann 2013 wieder weitergeht. Was ja auch unbestritten ist, um das gleich vorweg zu nehmen, ist das Thema der Nordtribüne, wozu es bekanntlich konkrete Überlegungen gibt, wobei hierzu ganz klar zu sagen ist, dass sich dazu der Zuseherschnitt weiter steigern und stabilisieren muss. Da muss man zudem auch die weitere Entwicklung der Wirtschaft, jene Österreichs wie auch die internationale, abwarten. Eine Mitrolle spielt auch das U-Bahn-Thema, wo es derzeit so aussieht, dass sie Ende 2015/Anfang 2016 sicher kommt. Das ist in unserem langfristigen Plan drinnen, um die Qualität des Stadions weiter zu heben. Diese können wir natürlich auch mit der Verbesserung diverser anderer Angelegenheiten verbessern, zum Beispiel indem wir eine Lösung für unsere Parkplatz-Problematik finden.
Du nimmst uns das nächste Thema vorweg – die Parkplatz-Problematik. Man hört immer wieder vom großen Areal neben dem Stadion des ehemaligen Holzhändlers, welches für einen neuen Parkplatz nahezu geschaffen ist.
Auch hier haben wir vor Weihnachten weitere Schritte gesetzt und es gibt auch hier konkrete Pläne, die wohlgemerkt nicht nur die Austria betreffen. Fakt ist natürlich, dass wir nicht über eine Erweiterung der Kapazitäten nachdenken müssen, wenn wir unseren Fans, die mit dem Auto anreisen, nicht genug Parkplätze in Stadion-Nähe anbieten können, daher werden wir uns noch sehr intensiv um diese Problematik kümmern.
Immer wieder gewunschen, aber bis dato nicht umgesetzt: Eine Schließung der Seiten des zweiten Rangs der Osttribüne. Nur eine Idee mancher Fans oder eine ernsthafte Überlegung?
Ja, gut, dass du das ansprichst – auch das ist ein Thema! Nicht nur wegen dem Wind, auch wegen der Akkustik. Das ist in der angesprochenen Agenda mit Dingen, die wir intensiv besprechen wollen, dabei. Mit dieser Agenda werden wir uns intensiv beschäftigen und sie abarbeiten.
Markus, danke vielmals für das nette, ausführliche Gespräch!
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