Wir haben euch gebeten, uns euren persönlichen Derby-Augenblick zu erzählen, einen besonderen Moment, den ihr mit dem Duell gegen unseren Erzrivalen verbindet.
Zahlreiche Einsendungen haben uns erreicht. Bitte habt Verständnis dafür, dass nicht alle Einsendungen Platz haben und wir manche Schilderungen etwas gekürzt haben. Manche Fotos dürfen wir aus rechtlichen Gründen leider nicht abbilden. Hier nun eine Auswahl ganz persönlicher violetter Erlebnisse:
Ein verloren geglaubtes Finale und die Sonntagskrone
Es war der 12. Mai 1990, es war ein Samstag und es war der Tag des ÖFB Cupfinales der Saison 1989/90 zwischen meinen geliebten Veilchen und dem grün-weißen Vorstadtclub aus dem St. Pöltner Einzugsgebiet im damaligen Wiener Praterstadion. Nachdem es mir ,als damaligen 12 jährigen „Austrianer durch und durch“, nicht möglich war live im Stadion dabei zu sein und ich auch keine Möglichkeit hatte mir das Spiel im Fernsehen anzusehen (wobei ich heute gar nicht sagen kann, ob es überhaupt eine TV-Übertragung gegeben hätte), blieb mir nur die Möglichkeit, mich über die ehemalige Ö3-Kultsendung „Sport und Musik“ via Radio am laufenden zu halten.
Ich verbarrikadierte mich mit meinem, damals einzigen und „fast-selbstgestrickten“, violetten Veilchenschal um den Hals im Schlafzimmer meiner Großeltern, um so den, kleinen aber feinen, Radiowecker am Nachtkästchen meiner Oma exklusiv für mich zu haben.
Jetzt hieß es hoffen und bangen, zittern und beten, und nach späteren Erzählungen meiner, damals ausgesperrten, Eltern habe ich anscheinend auch alleine gesungen, wahrscheinlich „Auf geht`s Veilchen schießt ein Tor…“.
80 Minuten lang ging dann auch wirklich alles gut und ich hoffte auf ein glückliches und violettes „Happy-End“, bis mich in der 82. Spielminute der „grüne Starrkrampf“ durchfuhr und ich aus den Boxen von Omas sensationeller HIFI-Anlage folgendes vernehmen musste: “82. Minute im Wiener Praterstadion, 1:0 für die Grünen durch den Norweger Fjörtoft…!!!”
Die Gedanken, die mir nach dieser Live-Meldung durch den Kopf gegangen sind und die Wörter, die ich anschließend gegen Omas Zimmerdecke gerichtet habe waren natürlich alles andere als jugendfrei (obwohl ich ja selbst erst zwölf war), und daher möchte ich sie hier auch nicht mehr wiedergeben, aber ich dachte mir damals nur:
„Nein das gibt’s ja nicht. Diejenigen, die eigentlich nicht einmal wissen was der ÖFB-Cup ist, da ihnen Jahr für Jahr von irgendwelchen Großmächten des Amateurfußballs fußballerisch die Grenzen aufgezeigt werden und die ausnahmsweise nur deswegen einmal ins Finale gekommen sind, damit sie ab sofort auch wissen wie man das Wort „Finale“ schreibt, die sollen jetzt in Kürze den Pokal streicheln dürfen (und dieser Fjörtoft hat es bei seiner Auswechslung ja auch tatsächlich getan…)“.
0:1 im Rückstand, nur mehr 8 Minuten plus Nachspielzeit zu Spielen und der Gedanke an eine grüne Siegesfeier, die ja eh keinen interessiert (außer den Hr. Peter Linden von der Kronen Zeitung), all das war zu viel für mich, dem damals traurigen 12 jährigen Meisi (Spitzname) in Omas Zimmer, und so entschloss ich mich, dem Radio den Saft zu nehmen, sprich Stecker aus der Dose, den „fast-selbstgestrickten“ violetten Veilchenschal wieder bei den Wintersachen zu deponieren und mich still und leise aus Omas Zimmer zu „vertschüßen“.
Mein Frust über das, für mich verloren geglaubte, Derby im Rahmen des ÖFB Cupfinales war so groß, dass ich mir, an diesem besagten Samstag im Mai 1990, weder die abendlichen Sportsendungen im damaligen „FS1“ anschaute, geschweige denn in Laune war, mich über Teletext oder meinem damaligen neuen „Walkman“ über den tatsächlichen Ausgang des Derbys zu informieren.
Erfahren von der göttlichen violetten Wendung in diesem Wiener Derby habe ich erst (und da muss ich seit mittlerweile fast 22 Jahren immer wieder daran denken), als mich am nächsten Tag, es war ein Sonntag, mein Vater um die morgendliche „Sonntagskrone“ zum Zeitungsständer schickte.
Die Jubelschreie, die mir da über die Lippen kamen, als ich schon aus der Entfernung durch die transparente Plastiktasche die violette Jubeltraube am Titelbild der Krone sah, die hat mein Vater bis nach Hause ins Wohnzimmer gehört, obwohl ich entfernungsmäßig etwa so weit von zu Hause weg war, wie wenn ich von Favoriten in die Vorstadt schreien würde.
Thomas, Wieselburg
Ein unvergesslicher Glücksmoment
Kaum zu glauben, aber auch nach 30 Jahren kann ich mich noch sehr gut an ein für mich ganz besonderes Derby im Weststadion erinnern.
Es war im Februar 1982 und mein Bruder und ich konnten unseren Vater überreden, auf der Fahrt in den Winterurlaub einen Zwischenstopp mit der ganzen Familie im Weststadion einzulegen. Ich war damals 8,5 Jahre alt und hatte das Glück, dass meine bis heute ungebrochene Leidenschaft für unsere Austria bereits dank einer hervorragenden Mannschaft heftig loderte. Schon Tage vor dem Derby war ich nervös und fürchtete, dass nach heftigen Schneefällen das Spiel abgesagt werden könnte. Doch glücklicherweise konnte das Spielfeld vom Schnee halbwegs befreit werden (Rasenheizungen waren damals völlig unbekannt) und auch der Zuschauerbereich wurde vom Schnee weitgehend gesäubert und dieser bei den Zäunen aufgetürmt. Wir hatten Plätze auf der Süd/unten ziemlich in der Nähe der Cornerfahne zum Weststektor. Das erfreute mich eher wenig, bemerkte ich doch die für mich als Kind ziemlich grimmig wirkenden Blicke vom Westsektor, die dem auf dem Schneehaufen beim Zaun mit violettem Schal und Austriafahne stehenden Kind galten. In der 2. Halbzeit – unsere Austria spielte auf das Tor beim Westsektor – geschah das für mich Unvergessliche:
Gerd Steinkogler schoss 2 Tore zu unserem 2:0 Sieg. Bereits nach seinem 1. Treffer sprintete er genau in meine Richtung um dann, auf Knien rutschend, die Fäuste geballt und von einer Menschentraube legendärer Austrianer jubelnd bedrängt, einen Meter vor meinem Schneehaufen zu stoppen. In meiner Erinnerung teilte er genau mit mir, dem achtjährigen vor Freude hüpfenden und die Fahne schwenkenden Buben, seinen Moment des Triumphes. Und dieses Schauspiel wiederholte sich beim zweiten Treffer. Es war für mich unbeschreiblich und ich war mir sicher – heute hat meine Austria für mich gewonnen.
Leider hatte Gerd Steinkogler in seinem weiteren Leben nicht viel Glück – er, der vor 30 Jahren einem Kind einen unvergesslichen Glücksmoment beschert hat..
Chili/Bierfront 1990
6:0 und ein Sieg am Billardtisch
Ich habe seit 1960 sehr viele Derbys erlebt. Da waren langweilige dabei, vor 60.000 Zuschauern, genauso wie aufregende vor wenig Zusehern. Wilde wie die mit Ypoua und Ogris oder die vom Mai 2011. Wenn man älter wird, verblassen die Erinnerungen, werden die Urteile milder und die Unterschiede geringer. Daher fällt es mir schwer, an besondere Momente zu denken. Doch eines bleibt mir, auch aus persönlichen Gründen, immer in Erinnerung.
Ich hatte meinen Job in Wien Ende September 1969 beendet, um Anfang Jänner 1970 in Italien eine neue Herausforderung anzugehen, wo ich dann auch acht Jahre blieb. Meine Wohnung in Wien hatte ich gekündigt und wollte die verbliebenen Wochen noch bis zum Antritt meines neuen Jobs bei meinen Eltern in Sierning verbringen, in meinem Geburtsort, in dem auch Heli Kögelberger geboren wurde. Zum Abschluss meines zehnjährigen Aufenthalts in Wien besuchte ich noch das Derby im Oktober, ungewöhnlicherweise allein. Ich saß im Sektor E und wartete, was auf mich zu kommen sollte. Ohne besondere Hoffnungen und Vorstellungen. Also war ich vollkommen überrascht, mit welchem Feuerwerk die Austria den Grünen aus Hütteldorf entgegen trat. Rapid war an diesem Tag einfach nicht vorhanden. Die Violetten spielten auf, wie selten davor. Ein Tor schöner als das andere, mit einem Hattrick von Hickersberger. Glechner, der Stopper von Rapid, war Ziel der violetten Fans in der Kurve, die lieber ihren Waschi Frank (mit dem ich ein paar Mal in Schwechat in der Brauhaushalle gespielt hatte) im Nationalteam sehen wollten. “Wärst du doch in Hütteldorf geblieben, blader Glechner, du wirst nie ein Stopper sein” schallte es durch das Stadion, als dieser einfach keinen Ball sah. Immer mehr grüne Zuseher verließen vorzeitig das Stadion, immer lauter wurden die Gesänge. 6:0 hieß es zum Schluss und der Jubel war unbeschreiblich. Mit dieser Stimmung musste ich noch einmal nach Schwechat fahren, um dort meinen grünen Freund im Billardcafé aufzusuchen. Normal hatte ich gegen ihn im Dreiband-Billard keine Chance, aber diesmal, nach dem ich ihm vom Spiel berichtet hatte und er versuchte, cool zu bleiben, gelang mir dann auch noch am Billardtisch ein Sieg. Das war der Abschied aus Wien. Immer wieder dieses Lied singend, stieg ich dann ins Auto und fuhr nach Hause.
Ich weiß, nichts Aufregendes, aber das 6:0 war einfach eine Abfuhr, die, wie sich dann später heraus stellen sollte, auch ein Rekordsieg über die Grünen in der Bundesliga bleiben sollte.
Helmut
Ogerl on Fire
Mein Derby Moment ist und bleibt der 4. Mai 1997. Unvergessen Samy Ipoua und sein Schuh, die Polizei, Stucklich der etwas überfordert war und Ogerl on fire.
Mit am Platz der aktuelle Co Manfred Schmid und der Amateure Coach Gager sowie meine Alltime Heros Rachimov und Flögel.
Daniel aka Danuselli
Cupfinale 1990 und ein gratis Weckerl
Das beste Derby war eindeutig und zweifelsfrei das Cupfinale 1990. Herbert Prohaksa hatte erst wenige Wochen vorher von Erich Hof das Traineramt übernommen. Ich war mit zwei Freunden, einer Austrianer, der andere Rapidler im Praterstadion. Rapid hat einen Elfmeter vergeben, Fjörtoft erzielte in der 82. Minute das 1:0. Beide Trainer reagierten: Krankl nahm Offensivleute raus und brachte Defensivkräfte, um das Ergebnis über die Zeit zu spielen. Prohaska setzte sofort auf volle Offensive: Stöger und Hasenhüttl für Zsak und Flögel. Mehr durfte man damals nicht wechseln. Aber es half nicht. Die Nachspielzeit brach an, die damals üblicher Weise sehr kurz war. Nicht wie heute, wo fast immer nachgespielt wird. Die Rapid-Anhänger feierten bereits lautstark, so mancher Zuschauer verließ bereits das Stadion. Auf zum Auto oder zum Bier. Aber es hatte lange Unterbrechungen gegeben, also wurde doch nachgespielt. Sogar Wohlfahrt ging mit nach vor – ich glaube, er hat sogar den Freistoß herausgeholt.
Ogris trat an – und traf!
Das Stadion verwandelte sich in ein Tollhaus. Mein violetter Freund und ich sind uns in den Armen gelegen. Die Rapidler waren plötzlich wieder nüchtern. Viele Leute, die schon auf dem Nachhauseweg waren, haben den Jubel gehört und sind zurückgelaufen ins Stadion. Die haben sich vielleicht gegiftet, dass sie das verpasst haben.
In der Nachspielzeit hatte Rapid, mangels Sturmkraft, nichts mehr zuzusetzen. Die beiden (!) Joker Stöger und Hasenhüttl machten mit je einem Tor den Sack zu. Es war wahrscheinlich das beste Derby aller Zeiten. Aus violetter Sicht.
Dazu habe ich aber auch noch eine persönliche Anekdote. In der Pause hatte ich großen Hunger. Ich hatte zwar kaum Geld, war aber wirklich hungrig. Also kaufte ich ein Weckerl mit Schinken. Nicht billig, für meine Verhältnisse. Meine Freunde waren darob erstaunt. Ich habe dann dem Rapidler erzählt, dass mir die Verkäuferin Gordana das Weckerl geschenkt habe, weil sie eine Freundin von mir sei. “Wennst hingehst und sagst, Du bist mein Freund, kriegst auch eine.” Mein violetter Kollege hats gecheckt und gemeinsam haben wir den Rapidler überzeugt. Er ist tatsächlich hingegangen, aber ohne Weckerl mit sehr langem Gesicht zurückgekommen. Wir Austrianer hatten eine Riesenhetz!
OK, wir waren damals erst 14 Jahre alt. Aber auch 20 Jahre später haben wir unseren Rapid-Freund noch damit aufgezogen.
Daniel AJ (Daniel ist auf der Suche nach einer Aufzeichnung von diesem Spiel. Vielleicht kann ihm jemand helfen? Mail an redaktion@1911aktuell.at)
297. Derby: Platzsturm im Weststadion
Ja und die Austrianer in dem Stadion? Sie blieben seelenruhig auf ihrer Tribüne und sahen sich das Spektakel von oben an. Niemand provozierte oder warf irgendetwas zurück. – Sehr vorbildlich.
In diesem Moment war ich sehr froh Fan unserer Austria Wien zu sein und dank dieser Erkenntnis ist das mein ganz besonderer Derby-Moment.
Lukas
298. Derby im Happel-Stadion: 3:0 für Violett
Ähnlich wie beim Skandalderby freute ich mich schon richtig auf das nächste Derby, welches nach den Vorkommnissen im Happel-Stadion aufgetragen wurde.
Ich war noch nie in diesem Stadion und war gespannt wie dieses von innen Aussehen wird.
Nachdem wir nach gut 15 Minuten durch Barazite in Führung waren, war die Stimmung einfach bombastisch – sie war davor aber auch schon richtig gut!
Als wir das Lied “Die Leute wollen wissen …” dann gesungen haben, war ich echt erstaunt, wie laut wir sein können und welche Akustik in diesem Stadion herrscht – endlich hab ich das einmal miterleben, nachdem jeder darüber spricht, dass es so toll sein soll. Es gab sogar von uns selbst Zwischenapplaus, weil es so laut war – die nachfolgenden Videos, welche dann auf Youtube bereitgestellt wurden, lassen nur ein wenig erahnen wie geil die Stimmung war!
Nachdem der Schiedsrichter das Spiel abgepfiffen hat wurde die Austria richtig gefeiert – nicht so wie bei den anderen Matches, wo sie zu uns kommen und danach weiter zur Nord marschieren – Nein! Sie kamen immer wieder, gefühlte 4-5-mal nahmen sie noch einmal Anlauf und rannten zu uns – einfach genial!
Das Derby im Happel-Stadion war für mich einfach der Hammer, es hat mir richtig gut gefallen.
Matthias
Pizza, Bier und dreimal der Tor-Schrei durchs ganze Haus – violettes Herz, was willst du mehr? ♥
Gernot
Verhaltener Jubel
Eine meiner ersten Derby Erinnerungen war eines im Hanappi, mit dem 1:0 Auswärtssieg und den Tor von Günther Schiesswald und mir auf der Westtribüne!
habe eher verhalten gejubelt!
Martin
Ogerl vs. Rapid-Fans
Vor ca. 16 Jahren hat mich mein Vater mitgenommen nach Hütteldorf.
Auf einmal schimpften Nord, Süd, West: “Ogris du oarschloch!” Und was macht der Andi? Er verbeugt sich vor Nord, Süd und West, als dankesgeste ![]()
Robert
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