Er ist der starke Mann der Wiener Austria, beinahe nichts geht ohne sein Okay, ist er schließlich vor allem für die Finanzen des Vereins zuständig und hat somit auch einen großen Anteil daran, dass die Austria den Ausstieg von Magna überlebte.
Die Rede ist von Mag. Markus Kraetschmer, dem AG-Vorstand für Finanzen des FK Austria Wien.
Zwei 1911aktuell.at-Redakteure waren im Büro im Klubhaus neben der Generali-Arena beim 40-Jährigen zu Gast und plauderten rund eine Stunde mit ihm. Aufgrund der Ausüfhrlichkeit des Gespräches wurde dieses in drei Teile gegliedert.
Im ersten Part dreht sich es sich vor allem um allgemeine Themen, die Entwicklung der Austria und dem Spezialgebiet Kraetschmers, die Finanzen.
1911aktuell.at: Markus, wie kann man sich den Arbeitsalltag des Austria-Vorstands für Finanzen vorstellen?
Markus Kraetschmer: Das kann man so nicht wirklich in eine Schablone einordnen, es ist kein Tag wie der andere. Grundsätzlich beginnt mein Tag im Büro mit dem Studium der Kontostände, um mich wirtschaftlich einmal aktuell zu informieren. Um ca. 9 Uhr beginnen dann diverse Termine, sowohl intern als auch extern. Mitarbeitergespräche, natürlich Sponsorengespräche, vor allem jetzt, wo die Lizenzierung ansteht und natürlich in Transferperioden wie jetzt (zum Zeitpunkt des Interviews war das Transferfenster noch offen, Anm.) viele Telefonate, Kalkulationen, Vertragsentwürfe mit Spielern, etc. Bei James Holland beispielsweise musste man mit Alkmaar verhandeln, mit dem Manager verhandeln, zuerst einmal prüfen und mit dem Manager abklären, ob die Verträge in Deutschland oder England errichtet werden sollen, usw.
Dann kommen natürlich diverse externe Termine hinzu, das gehört auch zu meinem Aufgabenbereich. Sitzungen in Gremien der Bundesliga, des ÖFB, der UEFA, Teilnahme an diversen Arbeitskreisen, aber auch natürlich PR-Termine wie unser Interview jetzt gerade.
Wie viele Mitarbeiter hat die Austria derzeit?
Wir haben uns das vor kurzem angesehen. Momentan haben wir zwischen 110 und 120 Angestellte, die wir über die Lohnverrechnung abwickeln. Die Gastro haben wir mittlerweile verpachtet, sprich da haben wir keine Angestellten. Sehr wohl inkludiert sind aber alle Spieler und auch die Trainer, sowohl im Profibereich, das heißt Kampfmannschaft und Amateure, als auch in der Akademie und der Nachwuchsabteilung, in welcher viele Trainer das nur nebenberuflich machen.
Wie viele waren es bei deinem Amtsantritt 1997?
Das ist eine gute Frage. (denkt kurz nach) Spieler hat es immer relativ viele gegeben, insgesamt schätze ich einmal war es aber ca. die Hälfte damals.
Ein großer Schritt in deiner violetten Ära war die Trennung von Magna und der Neuaufbau der Austria. Wie fällt deine Bilanz der Nach-Stronach-Ära aus?
Ich glaube, wir sind wirklich auf einem sehr, sehr guten Weg. Es war ein Kraftakt. Für uns besonders wichtig war, dass uns Magna bereits 2005 mitgeteilt hat, dass sie 2007 ihre Tätigkeit bei der Austria beenden. Daher haben wir doch recht viel Zeit gehabt und konnten die Ärmel hochkrempeln. Wir haben einen neuen Präsidenten (Wolfgang Katzian, Anm.) bekommen, konnten uns eine neue Philosophie und neue Strukturen überlegen. Im Vordergrund stand da natürlich das Wirtschaftliche, doch selbstverständlich konnten wir auch das Sportliche nicht außer Acht lassen und wollten uns immer für einen internationalen Startplatz qualifizieren.
Was uns in den letzten drei Jahren sehr intensiv begleitet hat, war unsere Infrastruktur-Offensive, in welche wir 25 Millionen Euro investiert haben. Das vergangene Jahr war von den 100-Jahr-Feierlichkeiten begleitet, was auch nichts Selbstverständliches ist, dass man das erleben darf, nämlich einerseits als Fan, aber auch, wie in meinem Fall, als Verantwortlicher. Das Wichtigste ist, glaube ich aber, dass wir auch einen sehr genauen Plan für die Jahre 12, 13, 14, 15 haben und genau wissen, wie wir da weitermachen wollen. Natürlich muss man das aber immer wieder evaluieren, weil stets neue Themen hinzu kommen. Momentan sitzen wir zum Beispiel bei der Fanthematik regelmäßig zusammen und machen uns sehr intensive Gedanken, da muss man sich einfach permanent weiterentwickeln. Die Fanarbeit bzw. Kundenzufriedenheit ist ein Themengebiet, welchem wir uns in den kommenden Jahren ganz besonders widmen wollen. Wir haben vieles hier aufgebaut, ein neues Flutlicht bekommen, etc. etc., aber jetzt geht es in die Details. Angefangen damit, dass es jede Kassa Bankomatzahlfunktion hat, was heutzutage schon normal ist und natürlich wollen wir auch sehr auf die Kommunikation zwischen Verein und Fans, welche sehr wichtig ist, setzen und sie laufend verbessern.
Stimmst du mir zu, wenn ich sage, dass bei keinem österreichischen Verein in den letzten Jahren so viel weiterging wie bei der Austria?
Ich bin auch in der Bundesliga im Aufsichtsrat und kann daher die anderen Vereine ein wenig beobachten und beurteilen. So einen Umbruch wie wir ihn hatten, hatte ihn wohl mit Sicherheit kein anderer Verein. Was sich bei mir im Kopf festgesetzt hat ist, dass uns 2007 viele für tot erklärt haben und uns keine Chance mehr gegeben haben, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich wurde uns der Untergang prophezeit. Das ist Gott sei Dank aber nicht eingetreten, ganz im Gegenteil. Vieles ist uns seitdem schon gelungen, natürlich gibt es aber auch noch vieles zu verbessern. Wir haben einen klaren Plan für die Zukunft und insofern glaube ich doch, dass in den letzten Jahren bei keinem Klub so viel passiert ist wie bei uns.
Du hast es angesprochen: Viele haben die Austria nach dem Ausstieg von Magna für tot erklärt. Vor kurzem gab es in den Medien wieder völlig verschiedene Budget-Zahlen und einige Zeitungen redeten unsere wirtschaftliche Lage sehr schlecht. Nervt das nicht mit der Zeit?
Wie du richtig sagst, vielleicht denkt man sich hin und wieder seinen Teil, aber es ist einfach „part of the game“, Teil des Jobs. Natürlich frage ich mich aber immer wieder, was da in der Zeitung eigentlich manchmal für ein Blödsinn steht.
Bei den Recherchen im Vorfeld unseres Gesprächs sind wir auf ein Interview mit sportnet.at aus März 2007 gestoßen. Du hast in diesem unter anderem folgendes über die 100-Jahr-Saison gesagt: „Die Austria wird 100 Jahre und soll diese Feier in einem neuen adäquaten und modernen 30.000 Zuschauer fassenden Stadion feiern. Internationales Ziel bleibt die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase in der Saison des 100-jährigen Bestehens.“ Beides wurde nicht erreicht. Trotzdem zufrieden?
(lacht) Wenn ich das so gesagt habe, muss man natürlich klar sagen: Ziel nicht erreicht. Wobei im März 2007 die Welt doch noch etwas anders ausgesehen hat. Damals hat es beispielsweise noch keine Wirtschaftskrise gegeben, die hat uns doch um einiges zurückgeworfen. Rothneusiedl war, wie du richtig gesagt hast, damals ein großes Thema, aber das war ein sehr, sehr wichtiger Schritt, dass wir uns dann dazu entschlossen haben diesem Ufo nicht mehr nachzulaufen, sondern den Standort Wien-Favoriten rund um das bestehende Stadion zu fördern. Wir sind ein Risiko eingegangen, haben meiner Meinung nach aber gezeigt, dass das so richtig war.
Man sieht leider wieder einmal: Man wird immer wieder von alten Interviews eingeholt, das ist quasi auch das Schicksal als langjähriger Vereins-Verantwortlicher, aber der Plan ist jetzt klarer denn je. Wenn man sieht wie viele Etappen wir von unserem Stufenplan erfolgreich erledigt haben, kann man zufrieden sein. Ich gebe zu, manchmal wäre ich gerne schneller, das liegt in meinem Naturell, aber wirtschaftlich geht das eben manchmal nicht, da muss man oft vorsichtig sein. Ein großes Ziel bleibt aber weiterhin: Ich möchte am Liebsten hier in der Generali-Arena, oder gegebenenfalls im Happel-Stadion, die Champions League-Melodie hören und die hörst du eben nur in der Champions League-Gruppenphase. Das ist mein großer Wunsch für die nächsten Jahre!
Momentan wird eifrig am Lizenzantrag für die kommende Saison gearbeitet. Rechnest du mit Auflagen?
Wir haben letztes Jahr aufgrund unseres negativen Eigenkapitals die Lizenz mit Auflagen bekommen und ich denke, das wird auch heuer so sein. Solange man ein negatives Eigenkapital hat, gibt es eben eine wirtschaftliche Auflage, nämlich, dass man Quartalsberichte vorzulegen hat, das war auch bei Rapid so. Wir müssen noch einige Gespräche führen und gewisse Sachen festschreiben – und deshalb bin ich auch so ein großer Fan des Lizenzierungsverfahrens, weil es eben für klare Verhältnisse sorgt -, dann bin ich aber zuversichtlich, dass wir wie im letzten Jahr ein klares Lizenzkonzept erstellen können.
Wie sieht es mit dem Abbau der Schulden, die im Rahmen der Infrastruktur-Erneuerungen entstanden sind, aus?
Da gibt es einen klaren Finanzierungsplan für die nächsten 15 Jahre, hier wurden mit der Gemeinde Wien, von welcher wir ja das Stadion langfristig gepachtet haben, klare Vereinbarungen getroffen. Wir geben aber keine Ruhe! Vielleicht habt ihr ja mitbekommen, dass vor Weihnachten im Gemeinderat weitere Beschlüsse gefasst wurden. Bei der Akademie wird demnächst, spätestens im Sommer, eine Tribüne errichtet, das ist ein weiterer wichtiger Schritt. Unser Ziel ist und bleibt unsere Schulden in weniger als die budgetierten 15 Jahre abbezahlt zu haben. Wir sind auf einem guten Weg und am 15.03. werden wir wieder einen ordentlichen Lizenzantrag abgeben.
In den kommenden Tagen auf 1911aktuell.at:
Teil 2 und 3, in welchen sportliche Angelegenheiten, Infrastruktur-Erneuerungen und die Fans bzw. Innovationen rund um die Fanarbeit die Themen sind!
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