Man kann es jedem nur wünschen. Dieses unbeschreibliche Gefühl. Jenes Team, welches du seit Jahren unterstützt, fegt den Erzrivalen wie bereits vor exakt drei Monaten glasklar aus dem “eigenen” Stadion, auch wenn das Ernst Happel-Stadion nicht jenes von Rapid ist, waren deutlich mehr Hütteldorfer anwesend und wurden die Grün-Weißen als Heimteam angeführt. Dass dies einen Tag vor dem eigenen Geburtstag geschieht, ist bloß eine persönliche Randnotiz. Die Freude jedes anderen Austrianers ist mindestens genauso groß. Jene von den rund 3.000 anwesenden Veilchen (2.300 davon im Gästesektor F3) mit Sicherheit größer als jene der Daheimgebliebenen, ist man schließlich Teil eines für beide Fanlager unvergessenen Wiener Derbys.
Überraschend defensive Rapid-Elf
Während die Austria-Fans für tolle Stimmung sorgen und auch das optische Auftreten des Sektors – nicht zuletzt auch durch eine Choreographie – das Prädikat “Sehr Gut” verdient, schweigen die Fans des SK Rapid weiterhin. Immer wieder kommt leichte Stimmung auf, organisierten Fansupport gibt es keinen. Vielen ist wohl auch die Stimme weg geblieben als sie von der Aufstellung ihres Teams gehört haben: Schimpelsberger wie erwartet und auch zurecht statt Katzer, Sonnleitner statt Heikkinen und somit Harald Pichler im defensiven Mittelfeld neben Kulovits. Beide gelten nicht unbedingt als Offensivkünstler, eine sehr defensive Ausrichtung in der Zentrale. Zudem kehrt Hofmann erstmals in dieser Saison an den rechten Flügel zurück, sein Gegenpart auf der linken Seite heißt Boris Prokopic. An vorderster Front agiert Deni Alar neben Adthe Nuhiu, der immer wieder von seiner Körpergröße und seinem robusten Körper profitieren kann.
Nur eine Änderung gegenüber dem letzten Spiel (3:1 gegen Gaz Metan Medias) gibt es bei der Austria: Alexander Grünwald, in der Europa League zuletzt gesperrt, statt Michael Liendl. Neuzugang Flo Mader bleibt auf der Bank. Vorläufig – so viel vorweg.
Barazite eröffnet violettes Fußballfest
Bereits in den Anfangsminuten bekommen die 31.800 Zuseher einen offenen Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten zu sehen. Die größte Chance hat Tomás Jun, der von der Strafraumgrenze aber nur die Latte trifft. Payer wäre machtlos gewesen. Nachdem im Gegenzug Ortlechner einen Alar-Schuss aus kurzer Distanz gerade noch blocken kann, wird die Austria in der 15. Spielminute für ihr offensiv ausgerichtetes, gut anzusehendes Spiel belohnt. Nacer Barazite zeigt, dass er es nicht nur in der Europa League kann und schließt eine schöne Aktion u.a. über Junuzovic und A. Grünwald erfolgreich mit einem Schuss in das lange Eck ab. 1:0 für den FAK, der Startschuss zu einem violetten Fußballfest! Es gibt Spiele, da geht die Austria in Führung und macht anschließend nicht mehr viel für das Spiel. Dieses 298. Wiener Derby ist nicht so ein Spiel, die Veilchen versuchen weiterhin aktiv nach vorne zu spielen und werden für dieses offensive Auftreten fast bestraft, aber die Chancenauswertung Rapids ist mindestens genauso desaströs wie die Defensive, in welcher sich vorallem Startelf-Neuling Sonnleitner als große Schwachstelle heraus kristallisiert. Peter Hlinka hat kurz vor der Pause nochmals eine Chance, vergibt aber, somit geht es mit einer knappen 1:0-Führung der Daxbacher-Elf in die Kabinen, aus welchen eine personell leicht veränderte Rapid-Elf (Drazan für Kulovits) sowie eine unveränderte Austria-Mannschaft kommt.
Junuzovic sorgt für Vorentscheidung
Zu Anfang der zweiten Halbzeit schwant den auch außerhalb des Gästesektors doch zahlreich vertretenen Austria-Anhängern Böses, schließlich kommt Rapid deutlich verbessert zurück auf das Spielfeld und gibt anfangs den Ton an. Doch Zlatko Junuzovic weiß, wie man diesen Anfangs-Elan leicht beenden kann. Mit einem Tor! Barazite spielt die linke Abwehrseite Rapids eindrucksvoll schwindelig und legt ab auf Linz, der eine mehr oder weniger ellegante Drehung macht. Nach anfänglichem Kopfschütteln ergibt dieser Linz-Tanz doch noch sinn, denn er legt auf Zlatko Junuzovic ab und der violette Spielgestalter hat keine großen Probleme aus rund 20m einzuschießen. Thomas Schrammel, nach dem Barazite-Dribbling vermutlich noch schwindelig, lenkt den Ball zudem in das eigene Tor, getroffen hätte Junuzovic aber auch ohne Mithilfe des Ex-Rieders, bloß in das lange Eck.
Linz macht mit Traumtor den Sack zu
Nach dem durchaus sehenswerten 1:0 ein schöner Treffer zur 2:0-Führung, legen “Juno” & Co., aber noch eines drauf in Punkto Traum-Tore, nämlich das 3:0, welches auch Barcelona nicht besser spielen hätte können. Über die Stationen Suttner, Junuzovic, Jun und nochmals Zlatko Junuzovic kommt der Ball zu Linz, der aus kurzer Distanz nur mehr einnetzen braucht. Ja, die Rapid-Abwehr agierte auch in der Situation ausgesprochen schlecht und erleichterte den Favoritnern das Leben, schön war diese One-Touch-Kombination über mehrere Stationen, abgeschlossen mit einem Zucker-Doppelpass zwischen Jun und Junuzovic aber trotzdem. Viel schönere Tore gibt es in Österreich (leider) kaum zu sehen.
Florian Mader feiert Debüt
Etliche Rapid-Fans verlassen das Stadion, zeitgleich feiern die Anhänger der Austria bereits einen hochverdienten Derbysieg, der auch in den finalen 20 Minuten absolut ungefährdet bleibt, die Austria schont sich zu dieser Zeit bereits etwas in Hinblick auf Donnerstag und das Europa League-Rückspiel in Rumänien. Florian Mader kommt nach 70 Minuten für Alexander Grünwald und feiert sein Debüt im Austria-Dress. Kurz später wird auch Nacer Barazite ausgewechselt. Der Holländer hat auch diesmal seine Gegenspieler schwindelig gespielt. Es kommt sehr selten vor, dass vereinzelt, aber doch sogar Rapidler einem Austria-Spieler applaudieren. Barazite hat es geschafft!
Kurz vor Spielende sieht Boris Prokopic nach einem Brutalo-Frustfoul an Margreitter vom starken Schiedsrichter Grobelnik noch völlig zurecht Rot, kurz später erfolgt der Schlusspfiff, den nur mehr wenige grün-weiße Fans erleben.
Die Spieler der Wiener Austria lassen sich nach dem Spiel minutenlang vom eigenen Anhang feiern. Und womit? Mit Recht!
________________________________
SK Rapid 0:3 FK Austria Wien
31.800 Zuseher, Ernst Happel-Stadion ; SR Grobelnik.
Tore: Barazite (15.), Junuzovic (52.), Linz (66.)
Rote Karte: Prokopic (86.)
Austria: P. Grünwald – Klein, Margreitter, Ortlechner, Suttner – Hlinka, A. Grünwald (70. Mader) - Barazite (75. Stankovic), Jun (84. Liendl), Junuzovic – Linz.
Related posts:











